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Lesezirkel im ODEON BRUGG

 
 
Das Exakte und das Andeutende
Mathematik, Physik, Informatik und ihre Experten im Spiegel der Literatur


Wer sich an seine Schulzeit erinnert, kann sich nur wundern. Literatur auf der einen Seite und Mathematik/Physik auf der anderen das sind zwei Welten, die nichts oder kaum etwas miteinander zu tun haben. Haben sie auch nicht, wenn man es so sieht.

Die Physik hat es mit dem Messen und die Mathematik mit der Zahl an sich zu tun, im Kern: beide zählen. Und die Literatur er-zählt. Was ist es eigentlich, was zählen sie und wovon er-zählt die Literatur? Es ist die Welt; mithin alles, was der Fall ist. Bücher, die von Mathematikern, Physikern oder anderen Zählmeistern handeln, haben ihren Reiz.

Von September 2010 bis Mai 2011 treffen wir uns fünf Mal, um unter der Leitung von Christoph Bopp über ausgewählte Werke zum Thema Das Exakte und das Andeutende zu sprechen. Selbstredend braucht man über keine naturwissenschaftlichen Vorkennt-nisse zu verfügen, um der Lektüre und den Diskussionen etwas abzugewinnen.

Christoph Bopp, geboren 1956, studierte Germanistik, Philosophie und Latein und war Mittelschullehrer in Aarau. Seit 1985 ist er Redaktor bei der Aargauer Zeitung (damals Badener Tagblatt), in wechselnden Positionen und Ressorts. Im Moment arbeitet er am Newsdesk und ist Leiter des Ressorts Thema.

Wann mit welchem Werk:
14. September 2010 DANIEL KEHLMANN: Die Vermessung der Welt
16. November 2010 FRIEDRICH CH. DELIUS: Die Frau, für die ich den Computer er-fand
18. Januar 2011 THOMAS MANN: Doktor Faustus
8. März 2011 MARTIN R. DEAN: Der Mann ohne Licht
3. Mai 2011 DIETMAR DATH: Dirac

Zu den einzelnen Büchern: siehe weiter unten

Wo: forumODEON, jeweils von 20 bis ca. 21.30 Uhr

Preis pro Zyklus: Fr. 110. Die Anmeldung gilt für den ganzen Zyklus. Die Teilnehmenden profitieren bei allen Lesungen des ODEON BRUGG vom reduzierten Eintrittspreis.
 
Anmeldeformular:
 
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Achtung: Die Teilnehmerzahl ist begrenzt!

Auskunft: erteilt gerne Traudi Reimann, Tel. 056 442 18 45

Das Exakte und das Andeutende
Mathematik, Physik, Informatik und ihre Experten im Spiegel der Literatur
Kurze Vorstellung der Werke, die zwischen dem 14. September 2010 und dem 3. Mai 2011 besprochen werden:


Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt. Das Buch handelt von zwei berühmten Männern. Zwei Genies, welche die Epoche der Umwälzung beim Übergang vom 18. ins 19. Jahrhundert miterlebt haben: Der Mathematiker und Geometer Carl Friedrich Gauss (1777−1855) und der Naturwissenschafter und der Geograf Alexander von Humboldt (1769−1859). Gauss, der nicht gross über Braunschweig und Göttingen hinauskam, und Humboldt, der «zweite Kolumbus», berühmt durch seine Forschungsreisen in Amerika und Russland − damit ist eigentlich schon genug gesagt. Kehlmann lässt sie buchstäblich aufeinander los. Zwei Lebensentwürfe, die gegensätzlicher nicht sein könnten.

Friedrich Christian Delius: Die Frau, für die ich den Computer erfand. Konrad Zuse (1910−1995) konstruierte eine mechanische, programmierbare Rechenmaschine und führte − nicht immer freiwillig − ein abenteuerliches Leben. Davon erzählt er einem Journalisten, der von Mathematik und Maschinenlogik sicher nicht mehr versteht als seine Leser. Die Frau ist Ada Lovelace (1815−1852), die Tochter des Dichters Lord Byron. Sie machte damals dem Universalgenie Charles Babbage, der ebenfalls eine Rechenmaschine bauen wollte, einen Vorschlag für ein «Programm», das man auf der Maschine laufen lassen könnte. Wie sie und Zuse zusammen kommen, das ist eben dichterische Phantasie.

Thomas Mann: Doktor Faustus. Man könnte auch den Krull nehmen oder den Zauberberg − Thomas Mann machte immer wieder Ausflüge in die Naturwissenschaft. Während seines Aufenthalts in den USA wohnte er ganz in der Nähe von Albert Einstein, über Physik oder Kosmogonie scheinen sie sich aber nicht ausgetauscht zu haben. Aber wie der Schriftsteller seine Lesefrüchte in seine Werke einbaut, ist spannend nachzuverfolgen − auch wenn der Leseaufwand zugegebenermassen nicht gerade klein ist.

Martin R. Dean: Der Mann ohne Licht. Thomas A. Edison erfand die Glühbirne, das weiss jedes Kind. Heute weiss man es etwas genauer, aber das tut nichts zur Sache. Das «künstliche Licht», diese Erfindung verbindet man immer mit dem Namen Edison. Der Mensch gewann seinen Tagen ein paar zusätzliche Stunden ab, aber eigentlich passierte viel mehr. So erklärt es Loder, der berühmte, aber seit einiger Zeit verstummte Schriftsteller, und wieder lässt ein junger Journalist sein Tonband laufen …
Der Mann ohne Licht ist vergriffen. Zu Beginn des Lesezirkels werden wir die Beschaffung des Textes festlegen.




Dietmar Dath: Dirac. Paul Dirac (1902−1984), der grosse Unbekannte aus jenen Helden-tagen der Quantenphysik zu Beginn des letzten Jahrhunderts, als Einstein die Tür aufmachte in die Welt des ganz Kleinen, wo sie manchmal verrückt spielt, und er deshalb nicht richtig hindurchgehen wollte. Dirac war ein rätselhafter Mensch und womöglich ein noch rätselhafterer Wissenschafter. Und deshalb ist es spannend, was passiert, wenn er ins Leben von ein paar heutigen Mitdreissigern hineinfunkt, die nicht mehr recht wissen, was sie jetzt noch wollen; jetzt, wo die Zeit des Aufbrechens in irgendwelche Utopien eigentlich vorbei ist. Von Dirac stammt die Gleichung, die Antimaterie postuliert, und er dachte an der Möglichkeit von Zeitreisen herum − und was der Handlungsanweisungen mehr sind, die junge Schriftsteller sich zunutze machen können.