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Lesezirkel 2019: Bücher im Gespräch: Die Shortlist des Schweizer Buchpreises

Jeweils im November wird im Rahmen des Literaturfestivals BuchBasel der Schweizer Buch­preis verliehen. Dieses Jahr ging der Preis an Peter Stamm für Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt. Haben Sie sich auch schon gefragt, warum jeweils genau dieses oder jenes Buch ge­winnt? Oder weshalb genau diese fünf Bücher auf der Shortlist landen? Was macht diese Bücher auszeichnungswürdig? Haben sie etwas gemeinsam? Und ist etwas dran am Gerücht, dass Abgänger des Bieler Literaturinstitutes alle ähnlich schreiben?

 

Diesen Fragen gehen wir in unserem Lesezirkel nach. Wir lesen die fünf Bücher der Shortlist des Schweizer Buchpreises und versuchen gemeinsam herauszufinden, mit welchen Themen sich die Schweizer Gegenwartsliteratur beschäftigt, welche Stilmittel sie verwendet, und was das preisgekrönte Buch von den andern abhebt (oder – je nach unserem Urteil – vielleicht eben auch nicht). 

 

Der Lesezirkel richtet sich an alle, die gern aktuelle Schweizerliteratur lesen und ihre Lese­erfahrungen in einer Gruppe austauschen möchten. Es sind keine speziellen Literatur­kenntnisse erforderlich. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden gebeten, die Werke auf das jeweilige Datum hin zu lesen.

 

Daten und Werke:

 

19. März 2019                 Peter Stamm: Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt

23. April 2019                  Gianna Molinari: Hier ist noch alles möglich

21. Mai 2019                    Vincenzo Todisco: Das Eidechsenkind

18. Juni 2019                   Julia von Lucadou: Die Hochhausspringerin

2. Juli 2019                      Heinz Helle: Die Überwindung der Schwerkraft

 

Ort und Zeit:ODEON BRUGG  FORUM ODEON  Bahnhofplatz 11  5200 Brugg 
von 19:30 bis ca. 21 Uhr

Preis: 120 Franken für fünf Abende. Die Teilnehmenden profitieren bei klassischen Autoren­lesungen im ODEON BRUGG vom reduzierten Eintrittspreis.

Leitung:Der Lesezirkel wird geleitet von Gabi Umbricht, Germanistin, Kulturvermittlerin, Mit­glied des Aargauer Kuratoriums, der Brugger Literaturtage, des ODEON-Literaturteams.

Auskunft erteilt gerne Gabi Umbricht, gabi.umbricht@bluewin.ch oder 056 442 29 35.

Die Anmeldung über untenstehendes Formular ist verbindlich, der Einzahlungsschein wird in der Folge zugestellt. Mit Ihrer Einzahlung bis spätestens 28. Februar 2019 wird die Anmeldung definitiv. Die Platzzahl ist beschränkt. Es empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung.

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Peter Stamm: Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt

Das eigene Leben noch einmal erleben. Soll man sich das wünschen? Christoph schreibt Lena eine Nachricht. Er möchte sie treffen. Er schreibt nur die Uhrzeit und den Ort und dass er ihr eine Geschichte erzählen wolle. Sie muss sich über die Nachricht gewundert haben.

Er erzählt ihr, dass er vor zwanzig Jahren eine Frau geliebt habe, die ihr ähnlich, ja, die ihr gleich war. Er kennt das Leben, das sie führt, und weiss, was ihr bevorsteht. So beginnt ein beispiellos wahrhaftiges Spiel der Vergangenheit mit der Gegenwart, aus dem keiner unbe­schadet herausgehen wird.

Können wir unserem Schicksal entgehen oder müssen wir uns abfinden mit der sanften Gleich­gültigkeit der Welt? Peter Stamm, der grosse Erzähler existenzieller menschlicher Erfahrung, erzählt auf kleinstem Raum eine andere Geschichte der unerklärlichen Nähe, die einen von dem trennt, der man früher war.

Peter Stamm, geboren 1963, studierte einige Semester Anglistik, Psychologie und Psychopa­thologie und übte verschiedene Berufe aus. Seit 1990 arbeitet er als freier Autor.

 

Gianna Molinari:Hier ist noch alles möglich

Eine junge Frau wird als Nachtwächterin in einer Verpackungsfabrik eingestellt. Abend für Abend macht sie ihren Rundgang, kontrolliert die Zäune. Ein Wolf soll in das Gelände einge­drungen sein. Mit jeder Nachtschicht wird die Suche nach dem Wolf mehr zu einer Suche nach sich selbst und zur Frage nach den Grenzen, die wir ziehen, um das zu schützen, woran wir glauben.

Gianna Molinari wurde 1988 in Basel geboren und lebt in Zürich. Sie studierte Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut Biel und danach Neuere Deutsche Literatur an der Universität Lausanne.

 

Veranstaltungshinweis:

Dienstag  5. März 2019 19.15 Uhr
Gianna Molinari 
liest ausHier ist noch alles möglich

 

Vincenzo Todisco: Das Eidechsenkind

Das Eidechsenkind ist in Italien daheim und im Gastland zu Hause. Hier muss es sich verste­cken: unter der Kredenz, im Schrank, in der Abstellkammer. In Ripa hingegen rennt der Junge wie alle Kinder dem Ball hinterher, jagt draussen den Wespen nach, gleitet von einer Umar­mung in die andere. Dort, bei Nonna Assunta, wo ein Haus darauf wartet, fertig gebaut zu werden.

Hier im Gastland geht der Vater Tag für Tag auf den Bau, die Mutter in die Fabrik – das Eidechsenkind lässt Stunden und Tage verstreichen. Es vermisst die Wohnung mit seinen Schritten, hört die Nachbarin um Mehl bitten, die Kinder im Hof Fangen spielen, sieht die Stiefel des Padrone, der gerne zum Abendessen kommt und lange bleibt.

Vincenzo Todisco, 1964 als Sohn italienischer Einwanderer in Stans geboren, studierte Ro­manistik in Zürich und lebt heute als Autor und Dozent in Rhäzüns.

 

Julia von Lucadou: Die Hochhausspringerin

Riva ist Hochhausspringerin – ein perfekt funktionierender Mensch mit Millionen Fans. Doch plötzlich weigert sie sich zu trainieren. Kameras sind allgegenwärtig in ihrer Welt, aber sie weiss nicht, dass sie gezielt beobachtet wird: Hitomi, eine andere junge Frau, soll Riva wieder gefügig machen. Wenn sie ihren Auftrag nicht erfüllt, droht die Ausweisung in die Peripherien, wo die Menschen im Schmutz leben, ohne Möglichkeit, der Gesellschaft zu dienen. Was macht den Menschen menschlich, wenn er perfekt funktioniert? Die Hochhausspringerinführt in eine brillante neue Welt, die so plausibel ist wie bitterkalt.

Julia von Lucadou wurde 1982 in Heidelberg geboren und ist promovierte Filmwissenschaftle­rin. Sie arbeitete als Regieassistentin, Redakteurin beim Fernsehen.

 

Heinz Helle: Die Überwindung der Schwerkraft

Zwei Bier, und dann noch zwei – mehr braucht es nicht für etwas Nähe. Doch dass die Wärme des Alkohols nicht wirklich gegen die Kälte hilft, die draussen herrscht, wissen auch die beiden Brüder, die von Kneipe zu Kneipe ziehen. Der ältere trinkt längst ohne jeden Anlass, aus Trauer oder Wut angesichts einer Welt, die von Schmerzen und Leid, von Kriegen und Gewalt bestimmt ist. Und doch erzählt er dem jüngeren nicht nur von Stalingrad und Marc Dutroux, sondern auch von seinem baldigen Vaterglück. Was beide nicht wissen: Es wird danach kein Wiedersehen geben. Was bleibt, sind die grossen Fragen des Lebens: Warum das Ganze? Was wollen wir auf der Welt? Und was genau soll das überhaupt sein, Leben und Sterben?

Virtuos verknüpft Heinz Helle in seinem neuen Roman die Suche nach den Spuren des ver­storbenen Bruders mit der Suche nach den Antworten auf die grossen Fragen des Lebens. Wie genau er die Geschwister dabei seziert, ist schmerzhaft schön: ein gezielter Schlag in die Magengrube, durchfunkelt von Trost und Hoffnung.

Heinz Helle, geboren 1978, Studium der Philosophie, Arbeit als Texter in Werbeagenturen, Absolvent des Schweizerischen Literaturinstituts, lebt mit Frau und Kind in Zürich.

Vergangene Lesezirkel

2017/18: Töchter und Söhne Unter der Leitung des Schriftsteller Rudolf Bussmann diskutierten die Teilnehmenden vier neu erschienene Bü­cher, die eine Familie von innen schildern, sei es in der Perspektive einer Tochter (Fatma Aydemir) oder zweier Söhne (Reinhard Kaiser-Mühlecker), sei es aus dem Blickwinkel der Eltern, die sich mit ihren Kindern auseinandersetzen, gleichzeitig aber auf der Suche nach ihren eigenen Erzeu­gern sind (Annette Mingels, Julia Wolf). 

2016/17: 24 Stunden – Das Tagebuch Unter der Leitung des Schriftstellers Michel Mettler diskutierten die Teilnehmenden die Tagebuch aus dem London des 17. Jahrhunderts (Samuel Pepys),  Depeschen nach Mailland  (Jürg Laederach), Alles schmeckt nach Abschied  (Brigitte Reimann), Aus dem Berliner Journal  (Max Frisch) und Schreiben für die eigenen Augen  (Virginia Woolf). 

2015/16: Leiden und Leidenschaft. Unter der Leitung des Schriftstellers Rudolf Bussmann diskutierten die Teilnehmenden die Werke Malina (Ingeborg Bachmann), Bilder deiner grossen Liebe (Wolfgang Herrndorf), Aller Liebe Anfang (Judith Hermann), Wie wir älter werden (Ruth Schweikert) und Kastelau (Charles Lewinsky). 

2014/15: Patientinnen, Patienten. Unter der Leitung des Autoren Michel Mettler diskutierten die Teilnehmenden die Werke Wittgensteins Neffe (Thomas Bernhard), Die gelbe Tapete (Charlotte Perkins Gilman), Der Weg allen Fleisches (Hermann Kinder), Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus (Christine Lavant) und Retter der Welt (John Wray).

2013/14: Welch Zufall! Unter der Leitung des Schriftstellers Rudolf Bussmann diskutierten die Teilnehmenden die Werke Das Leuchten in der Ferne (Linus Reichlin), Gesellschaft mit beschränkter Haftung (Nora Bossong), Die Erdfresserin (Julya Rabinowich), Das war ich nicht (Kristof Magnusson) und Aller Tage Abend (Jenny Erpenbeck).

2012/13: Der wilde Osten. Unter der Leitung des Autoren Michel Mettler diskutierten die Teilnehmenden die Werke Niederungen (Herta Müller), Die verschluckte Musik (Christian Haller), Warum das Kind in der Polenta kocht (Aglaja Veteranyi), Apostoloff (Sibylle Lewitscharoff) und Tauben fliegen auf (Melinda Nadj Abonji).

2011/12: Max Frisch: Die Frage nach der Identität. Unter der Leitung des Autoren Christoph Bopp diskutierten die Teilnehmenden die Werke Stiller, Biografie. Ein Spiel, Mein Name sei Gantenbein, Montauk und Der Mensch erscheint im Holozän. Zusätzlich Malina von Ingeborg Bachmann.

2010/11: Das Exakte und das Andeutende. Unter der Leitung des Autoren Christoph Bopp diskutierten die Teilnehmenden die Werke Die Vermessung der Welt (Daniel Kehlmann),Die Frau, für die ich den Computer erfand (Friedrich Ch. Delius), Doktor Faustus (Thomas Mann), Der Mann ohne Licht (Martin R. Dean) und Dirac (Dietmar Dath).