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Lesezirkel 2019/2020: Ungleiche Paare

Was ist für die Liebe eigentlich entscheidend: die Verschiedenheit zweier Menschen oder ihre Ähnlichkeit? Welche Volksweisheit hat recht: «Gleich und gleich gesellt sich gern» oder «Gegensätze ziehen sich an»? Eine müssige Frage. Jedes Paar hat seinen eigenen Mischwert. Aber die Extremformen sind es, an denen sich die Fantasie entzündet. Die ungleichen Paare sind in Literatur und Film ein beliebtes Thema: die Schöne und das Tier, die Lehrerin und ihr Schüler, Christ und Muslima. Doch auch dort, wo die Verschiedenheit nicht in den Vordergrund gespielt wird, führt sie oft heimlich Regie.

Der vom Schriftsteller Rudolf Bussmann geleitete Lesezirkel wendet sich vier Neuerscheinungen zu, in denen das ungleiche Paar von verschiedenen Seiten oder auch von seiner inneren Bedingtheit her bedroht ist. Führen in Karl-Heinz Otts Roman wirtschaftliche Schwierigkeiten zur unaufhaltsamen Entfremdung eines Paares, ist es in der berührenden Geschichte der finnischen Autorin Minna Rytisalo der Zweite Weltkrieg, der zwei Liebende trennt. Lea Singer beschreibt, wie eine feindliche familiäre Umgebung zwei Männer zwingt, ihre Leidenschaft geheim halten zu müssen, während in Julian Barnes’ neuem Buch der Liebende seine Beziehung zu einer älteren Frau gegen alle Widrigkeiten zu retten sucht. – Eine andere Variante des Themas spielt Simone Lappert durch, die in ihrem Buch einen ganzen Reigen verschiedenster Paare auftreten lässt.

Die fünf Gesprächsabende gehen von den Leseerlebnissen der Kursbesucherinnen und -besuchern aus. Die gemeinsame Diskussion will die individuelle Lektüre vertiefen, auftauchende Fragen klären und verschiedene Lesarten miteinander vergleichen. Die Aufmerksamkeit gilt neben dem Inhalt auch der literarischen Form und der sprachlichen Gestalt der Werke. Die Bücher sollten von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf das jeweilige Datum hin gelesen sein.
 

Daten und Werke:

10. September 2019      Karl-Heinz Ott: Und jeden Morgen das Meer
15. Oktober 2019      Minna Rytisalo: Lempi, das heisst Liebe
5. November 2019     Simone Lappert: Der Sprung
3. Dezember 2019     Lea Singer: Der Klavierschüler
14. Januar 2020        Julian Barnes: Die einzige Geschichte
 

Leitung: Rudolf Bussmann, 1947 in Olten geboren, studierte in Basel und Paris und war nach seiner Promotion als Lehrer tätig. Er lebt als Schriftsteller und Herausgeber in Basel, gibt Schreibkurse, macht Schreibbegleitungen, führt Lesezirkel. Zuletzt erschienen: Das andere Du. Roman, 2016; Ungerufen. Gedichte, 2019, beide in der edition bücherlese.
www.rudolfbussmann.ch

Ort und Zeit: ODEON BRUGG  FORUM ODEON  Bahnhofplatz 11  5200 Brugg 
von 19:30 bis ca. 21 Uhr

Preis: 120 Franken für fünf Abende. Die Teilnehmenden profitieren bei klassischen Autoren­lesungen im ODEON BRUGG vom reduzierten Eintrittspreis.

Auskunft erteilt gerne Traudi Reimann unter lesezirkel@odeon-brugg.ch oder 078 914 51 60.
 

Die Anmeldung über untenstehendes Formular ist verbindlich, der Einzahlungsschein wird in der Folge zugestellt. Die Platzzahl ist beschränkt. Es empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung.
 

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Karl-Heinz Ott: Und jeden Morgen das Meer

Es ist ein arbeitsames, aber erfolgreiches und einigermassen beschauliches Leben, das Sonja zusammen mit ihrem Mann führt. Die beiden haben sich im Gastrobereich empor-gearbeitet und es bis zum Gourmet-Restaurant am Bodensee gebracht. Als ihr Betrieb mit einem Stern ausgezeichnet wird, beginnen die Unterschiede zwischen ihnen manifest zu werden. Der Erfolg treibt Paul letztlich in den Ruin. Sonja übernimmt ihrerseits ein heruntergekommenes Hotel an einem einsamen Ort an der irischen Küste, wo sie über die Geschichte ihrer Beziehung nachzudenken beginnt.

(Hanser Verlag 2018, 144 Seiten)

 

Minna Rytisalo:Lempi, das heisst Liebe

Lempi, verwöhnte Tochter aus kleinbürgerlichem Haus, folgt als Braut ihrem Mann auf dessen Hof, ohne dass sie eine Ahnung vom bäuerlichen Alltag hat. Es ist die Zeit des Zweiten Weltkriegs, der junge Bauer wird eingezogen. Als er nach dem Krieg zurückkehrt, ist Lempi verschwunden. Er trifft auf dem Hof nur die Magd an, die sich an ihn heranmacht und mehr und mehr die Stelle seiner Gattin einnimmt. In den Erinnerungen von Lempis Zwillings-schwester, die auf dem Hof auftaucht, werden Bilder aus dem Leben der schönen, eigenwilligen Frau noch einmal lebendig.
(Hanser Verlag 2018, 222 Seiten)

 

Simone Lappert: Der Sprung

Die Verzweiflungstat einer jungen Frau, die auf einem Hausdach im Zentrum einer Kleinstadt steht und mit ihrem Selbstmord droht, ruft die verschiedensten Leute auf den Plan. Sie alle sind auf irgendeine Weise mit diesem Ereignis verbunden, sei es als Betroffene, Offizielle oder Zeugen. In raschem Wechsel wechseln sich Geschich¬ten von Einzelnen, jüngeren und älteren Paaren im Buch ab. Mehr und mehr tritt die Brüchigkeit menschlicher Beziehungen zutage.
(Diogenes Verlag 2019, 331 Seiten)

Hinweis: Die Autorin liest am 7. November 2019 um 19.15 Uhr im ODEON BRUGG aus Der Sprung. Rudolf Bussmann führt das Gespräch.

 

Lea Singer: Der Klavierschüler

Der Roman folgt einer brisanten biografischen Spur im Leben des jüdischen Pianisten Vladimir Horowitz. Sein erster Klavierschüler, ein junger Zürcher namens Kaufmann, wurde 1937 sein heimlicher Geliebter. Damit begann ein schwieriges Verhältnis, das Horowitz vor seiner Frau und seinem Schwiegervater Arturo Toscanini um jeden Preis geheim halten wollte. Die Autorin lässt Kaufmann im Rückblick die Geschichte einer Beziehung schildern, die zwischen Leidenschaft und Angst, Genialität und Kleinlichkeit, Antisemitismus und internationalen Erfolgen lang¬sam zerrieben wird.
(Kampa Verlag 2019, 223 Seiten)

 

Julian Barnes: Die einzige Geschichte

Der 19-jährige Paul verliebt sich in die fast dreissig Jahre ältere Susan. Was für seine Familie wie auch für Susans Ehemann und ihre Töchter eine ärgerliche, aber vorübergehende Affäre ist, entwickelt sich zu einer festen Beziehung. Die beiden Liebenden brechen mit ihrer Umgebung und ziehen nach London. Paul setzt sein Studium fort, doch Susan gelingt es nicht, mit der neuen Situation fertig zu werden. Ihr Alkoholproblem und ihre Tablettensucht werden zur Überforderung für beide und zwingen Paul schliesslich, sich selber zu retten.
(Kiepenheuer & Witsch 2019, 304 Seiten)

 

 

 

Vorschau Lesezirkel Frühjahr 2020
 

Bücher im Gespräch
Die Shortlist des Schweizer Buchpreises 2019

Der Verein LiteraturBasel und der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV vergeben im November 2019 zum zwölften Mal den Schweizer Buchpreis. Mit dem Preis wird das nach Ansicht einer unabhängigen Fachjury beste deutschspra¬chige belletristische oder essayistische Werk einer Schweizer Autorin bzw. eines Schweizer Autors ausgezeichnet. Die Nominierten werden im September 2019 bekanntgegeben.

Unter der Leitung der Germanistin Gabi Umbricht werden die fünf Bücher der Shortlist gelesen. Gemeinsam wird versucht herauszufinden, mit welchen Themen sich die Schweizer Gegenwartsliteratur beschäftigt, was für eine Art Sprache sie dafür verwendet und ob die am Lesezirkel Teilnehmenden mit der Wahl der nominierten und des schliesslich preisgekrönten Buches einverstanden sind.


Daten:

18. Februar 2020
24. März 2020
21. April 2020
26. Mai 2020
23. Juni 2020

jeweils 19.30 Uhr im FORUM ODEON



 

Vergangene Lesezirkel

2019: Die Shortlist des Schweizer Buchpreises. Unter der Leitung der Germanistin Gabi Umbricht diskutierten die Teilnehmenden die fünf für den Schweizer Buchpreis nominierten Werke: Peter Stamm: Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt, Gianna Molinari: Hier ist noch alles möglich, Vincenzo Todisco: Das Eidechsenkind, Julia von Lucadou: Die Hochhausspringerin und   Heinz Helle: Die Überwindung der Schwerkraft.

2017/18: Töchter und Söhne Unter der Leitung des Schriftsteller Rudolf Bussmann diskutierten die Teilnehmenden vier neu erschienene Bü­cher, die eine Familie von innen schildern, sei es in der Perspektive einer Tochter (Fatma Aydemir) oder zweier Söhne (Reinhard Kaiser-Mühlecker), sei es aus dem Blickwinkel der Eltern, die sich mit ihren Kindern auseinandersetzen, gleichzeitig aber auf der Suche nach ihren eigenen Erzeu­gern sind (Annette Mingels, Julia Wolf). 

2016/17: 24 Stunden – Das Tagebuch Unter der Leitung des Schriftstellers Michel Mettler diskutierten die Teilnehmenden die Tagebuch aus dem London des 17. Jahrhunderts (Samuel Pepys),  Depeschen nach Mailland  (Jürg Laederach), Alles schmeckt nach Abschied  (Brigitte Reimann), Aus dem Berliner Journal  (Max Frisch) und Schreiben für die eigenen Augen  (Virginia Woolf). 

2015/16: Leiden und Leidenschaft. Unter der Leitung des Schriftstellers Rudolf Bussmann diskutierten die Teilnehmenden die Werke Malina (Ingeborg Bachmann), Bilder deiner grossen Liebe (Wolfgang Herrndorf), Aller Liebe Anfang (Judith Hermann), Wie wir älter werden (Ruth Schweikert) und Kastelau (Charles Lewinsky). 

2014/15: Patientinnen, Patienten. Unter der Leitung des Autoren Michel Mettler diskutierten die Teilnehmenden die Werke Wittgensteins Neffe (Thomas Bernhard), Die gelbe Tapete (Charlotte Perkins Gilman), Der Weg allen Fleisches (Hermann Kinder), Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus (Christine Lavant) und Retter der Welt (John Wray).

2013/14: Welch Zufall! Unter der Leitung des Schriftstellers Rudolf Bussmann diskutierten die Teilnehmenden die Werke Das Leuchten in der Ferne (Linus Reichlin), Gesellschaft mit beschränkter Haftung (Nora Bossong), Die Erdfresserin (Julya Rabinowich), Das war ich nicht (Kristof Magnusson) und Aller Tage Abend (Jenny Erpenbeck).

2012/13: Der wilde Osten. Unter der Leitung des Autoren Michel Mettler diskutierten die Teilnehmenden die Werke Niederungen (Herta Müller), Die verschluckte Musik (Christian Haller), Warum das Kind in der Polenta kocht (Aglaja Veteranyi), Apostoloff (Sibylle Lewitscharoff) und Tauben fliegen auf (Melinda Nadj Abonji).

2011/12: Max Frisch: Die Frage nach der Identität. Unter der Leitung des Autoren Christoph Bopp diskutierten die Teilnehmenden die Werke Stiller, Biografie. Ein Spiel, Mein Name sei Gantenbein, Montauk und Der Mensch erscheint im Holozän. Zusätzlich Malina von Ingeborg Bachmann.

2010/11: Das Exakte und das Andeutende. Unter der Leitung des Autoren Christoph Bopp diskutierten die Teilnehmenden die Werke Die Vermessung der Welt (Daniel Kehlmann),Die Frau, für die ich den Computer erfand (Friedrich Ch. Delius), Doktor Faustus (Thomas Mann), Der Mann ohne Licht (Martin R. Dean) und Dirac (Dietmar Dath).

2009/10: Der andere Blick: Unter der Leitung von Markus Bundi diskutierten die Teilnehmenden die Werke Still Leben (Jan Peter Bremer), Irrgast (Mireille Zindel), Jahrhundertschnee (Ernst Halter), Zwischen den Fronten (Evelio Rosero) und Oh, Roman (Zsuzsanna Gahse).

2008/09: Generationen. Unter der Leitung von Markus Bundi diskutierten die Teilnehmenden die Werke Ben Kader (Daniel Goetsch), Der Steingänger (Davide Long), Das Haus der Ruhe (Eleonore Frey), Hausaufgaben (Jakob Arjouni) und Solo für eine Kellnerin (Jürg Beeler).